Frühjahrsputz im Stall: Hygiene & Weidepflege
Wenn die ersten warmen Tage kommen, beginnt am Waldrand die Arbeit: Wie du Stall und Weide fit für die neue Saison machst.

Der März riecht anders. Der Boden taut auf, im Silberbachtal tropft es von den Bäumen, und auf den Paddocks steht die erste Sonne schräg über dem Trail. Für uns am Waldrand ist das der Startschuss: Jetzt wird geputzt, gemistet und die Weide auf die neue Saison vorbereitet. Kein Großprojekt an einem Wochenende, sondern viele kleine Handgriffe, die zusammen den Unterschied machen. Wer im Frühjahr sorgfältig arbeitet, hat im Sommer gesündere Pferde und satteres Gras.
Der Stall kommt aus dem Winter
Über die kalten Monate sammelt sich einiges an. Feuchtigkeit zieht in die Ecken, Ammoniak steht in schlecht durchlüfteten Bereichen, und in Ritzen fühlen sich Milben und Keime wohl. Der Frühjahrsputz ist deshalb mehr als Kosmetik. Er ist Gesundheitsvorsorge für die Atemwege deines Pferdes.
Wir gehen dabei Box für Box vor. Erst wird komplett entmistet, dann kommt die Einstreu raus bis auf den Boden. Danach lassen wir alles gründlich abtrocknen, bevor frisch eingestreut wird. Bei uns hilft die gute Anbindung an Paddock und Trail, denn die Pferde können sich draußen bewegen, während ihre Box durchlüftet.
Worauf du beim Stallcheck achten solltest:
- Wände und Boxentrennwände auf Feuchtigkeit und beschädigte Stellen prüfen
- Tränken entkalken, reinigen und auf einwandfreie Funktion testen
- Futtertröge und Heunetze säubern, damit sich keine Schimmelnester bilden
- Fenster und Lüftungen freiräumen, denn frische Luft ist im Stall das halbe Leben
- Sattelkammer und Pflegeplatz entstauben, Lederzeug kontrollieren und pflegen
Für die feuchte Reinigung nutzen wir klares Wasser und, wo nötig, ein für den Stall geeignetes Reinigungsmittel. Wichtig ist, dass alles gut abtrocknet, bevor die Pferde zurückkommen. Bei hartnäckigen Themen wie wiederkehrendem Husten oder Hautproblemen gilt immer: lieber einmal zu früh den Tierarzt fragen als zu spät.
Die Weide vorbereiten
Während drinnen geputzt wird, wartet draußen die eigentliche Frühjahrsarbeit. Unsere Flächen rund um den Hof haben den Winter hinter sich, und das sieht man. Der erste Schritt ist immer das Abäppeln. Das klingt mühsam, ist aber die wirksamste und günstigste Wurmprophylaxe überhaupt. Wo regelmäßig abgesammelt wird, haben Parasiten kaum eine Chance, und das Gras bleibt schmackhaft, statt zu geilen, ungenutzten Büscheln zu verkommen.
Danach kommt das Schleppen. Mit der Wiesenschleppe verteilst du liegengebliebenes Material, ebnest Maulwurfshügel ein und regst die Grasnarbe zum Wachsen an. Das machen wir an einem trockenen Tag, wenn der Boden befahrbar ist, aber nicht mehr klatschnass. Zu früh im nassen Boden zu arbeiten verdichtet nur und schadet mehr, als es hilft.
Kahle Stellen bekommen eine Nachsaat. Über den Winter reißen Tritt und Frost Lücken in die Narbe, und wo nichts nachwächst, siedeln sich schnell unerwünschte Kräuter an. Eine standortgerechte Grasmischung, gleichmäßig ausgebracht und angewalzt, schließt diese Lücken. Ob und wann gedüngt wird, hängt vom Boden ab. Eine Bodenprobe gibt dir hier verlässlichere Auskunft als jedes Bauchgefühl.
Langsam anweiden, mit Geduld
Der schönste Teil kommt zum Schluss, und ausgerechnet der braucht die meiste Ruhe. Nach Monaten mit Heu und Silage ist der Pferdedarm nicht auf frisches, zuckerreiches Frühjahrsgras eingestellt. Wer sein Pferd am ersten warmen Tag stundenlang auf die grüne Wiese lässt, riskiert Koliken oder im schlimmsten Fall eine Hufrehe.
Deshalb weiden wir langsam an. Man beginnt mit wenigen Minuten am Tag und steigert die Zeit über zwei bis drei Wochen behutsam. Am besten nicht auf nüchternen Magen, sondern nachdem das Pferd schon Heu gefressen hat. So gewöhnt sich die Verdauung Schritt für Schritt an das neue Futter. Bei individuellen Fragen zu Fütterung oder Hufgesundheit sind Tierarzt und Hufschmied die richtigen Ansprechpartner.
Wenn alles bereit ist
Ist der Stall gelüftet, die Weide geschleppt und das erste Grün angeweidet, dann fühlt sich der Hof wieder rund an. Bei uns am Egge Hof gehört zu diesem Frühjahrsritual auch der erste lange Ausritt der Saison, hinaus in den Teutoburger Wald, Richtung Silbermühle und Externsteine, wenn der Waldboden weich und die Luft klar ist. Für genau diese Momente machen wir die Arbeit im März. Damit dein Pferd gesund in die schönste Zeit des Jahres startet und ihr beide sie in vollen Zügen genießen könnt.
Interesse an einem Platz?
Wir zeigen dir den Egge Hof gerne persönlich.


