Der Egge Hof
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Haltung·22. April 2025· 4 Min

Weideauftrieb: Wie wir Pferde sanft ans Gras gewöhnen

Warum das erste Frühlingsgras Geduld braucht und wie wir am Egge Hof Schritt für Schritt anweiden, statt die Herde einfach loszulassen.

Mehrere Pferde grasen ruhig auf einer frühlingsgrünen Weide am Waldrand im weichen Morgenlicht.

Es gibt diesen einen Morgen im Frühling, an dem die Weiden rund um Horn-Bad Meinberg über Nacht grün geworden zu sein scheinen. Die Pferde stehen am Zaun, recken die Hälse und würden am liebsten sofort los. Und genau da lohnt es sich, tief durchzuatmen und langsam zu machen. Denn so verlockend das erste saftige Gras aussieht: Für den Pferdemagen ist es eine kleine Revolution.

Bei uns am Egge Hof beginnt der Weideauftrieb deshalb nicht mit einem großen Tor, das aufschwingt, sondern mit vielen kleinen, ruhigen Schritten. Anweiden nennt sich das, und es ist eine der Phasen im Jahr, in der Geduld wirklich Gold wert ist.

Warum langsam wirklich schneller ist

Über den Winter hat sich die Verdauung deiner Pferde auf Heu und Silage eingestellt. Die Darmflora, die das leistet, ist ein fein eingespieltes Team aus Mikroorganismen. Frisches, junges Gras bringt plötzlich viel Zucker, viel Eiweiß und viel Wasser ins Spiel und bringt dieses Gleichgewicht durcheinander, wenn es zu schnell geht.

Ein Stichwort, das dabei immer wieder fällt, ist Fruktan, ein Zucker, den Gräser vor allem bei sonnigen, kühlen Tagen einlagern. In großen Mengen kann er die empfindliche Verdauung belasten. Wie stark ein einzelnes Pferd darauf reagiert, ist sehr individuell und hängt auch von Vorerkrankungen ab. Wenn du bei deinem Pferd unsicher bist, etwa bei Stoffwechselthemen oder einer Hufrehe-Vorgeschichte, ist das immer ein Fall für deinen Tierarzt oder Hufschmied und keine Sache, die man übers Knie bricht.

Der gute Weg ist unspektakulär, aber verlässlich: dem Körper Zeit geben, sich Tag für Tag umzustellen.

So weiden wir am Egge Hof an

Wir gehen das Anweiden bewusst kleinschrittig an und schauen dabei genau auf jedes Pferd. Als grobe Orientierung sieht das bei uns so aus:

  • Wir starten mit kurzen Einheiten von etwa einer Viertelstunde auf der Weide und verlängern die Zeit dann über die Tage hinweg langsam.
  • Vor dem Weidegang bekommt jedes Pferd sein Heu, ein satter Magen frisst nicht so gierig ins frische Gras.
  • Wir behalten Kotwasser, Verhalten und Fresslust im Blick und drosseln das Tempo, wenn ein Pferd Anzeichen zeigt, dass ihm etwas zu viel wird.
  • Auch das Wetter denken wir mit: An sehr sonnigen Tagen nach kalten Nächten gehen wir eher zurückhaltend vor.

Dass unsere Pferde über den Aktiv-Lauftrail ohnehin viel in Bewegung sind, oft acht bis zwölf Kilometer am Tag, hilft dabei enorm. Bewegung tut der Verdauung gut, und ein Pferd, das den Tag über gelaufen ist, geht insgesamt ruhiger mit dem Futterangebot um.

Die Herde im Blick behalten

Anweiden ist nicht nur eine Frage der Verdauung, sondern auch des Miteinanders. Wenn die Herde nach Monaten wieder gemeinsam auf eine größere Fläche darf, ist die Stimmung erst einmal aufgeregt. Da wird galoppiert, gebuckelt und die Rangordnung neu abgeklopft.

Wir sorgen deshalb dafür, dass die Pferde satt und gelassen auf die Weide gehen, nicht hungrig und getrieben. Rangniedrige Tiere, die sonst leicht weggedrängt werden, behalten wir besonders im Auge, damit alle in Ruhe fressen können. Und wir achten darauf, dass Gruppen zusammenpassen, denn eine harmonische Herde macht die ganze Umstellung entspannter, für die Pferde und für uns.

Geduld, die sich auszahlt

Klar, ein zügiger Weideauftrieb wäre bequemer. Aber die zwei, drei Wochen, die wir uns Zeit nehmen, zahlen sich über die ganze Saison aus: mit Pferden, die stabil in der Verdauung bleiben, mit weniger Aufregung und mit dem guten Gefühl, nichts erzwungen zu haben.

Wenn dann die ersten Tiere satt und zufrieden am Waldrand Richtung Silberbachtal grasen, während im Hintergrund der Teutoburger Wald steht, weißt du, dass sich das Warten gelohnt hat. Genau für solche Momente machen wir das hier am Egge Hof, und wenn du Fragen zum Anweiden deines Pferdes hast, sprich Moni einfach an. Wir gehen den Frühling gern gemeinsam mit dir an, in dem Tempo, das deinem Pferd guttut.

#anweiden#weidehaltung#pferdegesundheit#herdenmanagement#fruktan

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